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| Benjamin Schnabel

Dänische Bibel ohne Bezug zu Israel

Die Dänische Bibelgesellschaft hat eine neue Bibelübersetzung, die "Bibel 2020", herausgegeben. Es ist die erste Bibelübersetzung nach zwanzig Jahren, was leider kein Grund zur Freude ist. Denn in 59 von 60 Stellen des griechischen Urtextes wurde das Wort "Israel" gestrichen. Bezüge zu dem "Volk Israel" wurde mit "Juden" und "Land Israel" mit "Land der Juden" ersetzt. Womit will man das Wort Israel als Eigenname ersetzen, ohne seinen Bezug auf das Alte Testament und das Volk Israel zu verlieren? Wer ist dann der Gott Israels (Mk 12,29)? Christus ist demnach auch nicht mehr König von Israel (Mk 15,32). Dies verstößt gegen die Ethik und Moral einer Bibelübersetzung. Man muss dem Original einer Übersetzung treu bleiben. So wurde stattdessen im dem Vers "der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht" (Ps 121,4) der neuen dänischen Ausgabe Israel durch "unser" ersetzt.

Diese Bibel ist demzufolge ein Produkt der Ersatztheologie, welches an die schlimmsten Zeiten der deutschen Geschichte erinnert. Das Eisenacher Entjudungsinstitut, unter der Leitung des Theologen Walter Grundmann, hatte bereits 1939 versucht eine "entjudete Volksbibel" herauszubringen. Er wollte Jesus zu einem Arier machen und alles Bezüge seiner jüdischen Identität entfernen. Bereits der Gnostiker Marcion hatte im 2. Jh. n.Chr. versucht, die Bibel von "dem alttestamentlichen Gott der Juden" und dem "neutestamentlichen Gott" der Christen zu trennen. Übrig blieben zehn gekürzte Bücher des Neuen Testaments, darunter eine kurze Version des Lukasevangeliums. Marcion und Grundmann sind mit ihrer Mission kläglich gescheitert. Dies geschieht mit allen, die den Gott Israels von dem Volk Israel trennen wollen. 

Wer sich gegen Israel stellt, stellt sich auch gegen den Gott Israels. So warnt der 83. Psalm:

»Wohlan!«, sprechen sie. »Lasst uns sie ausrotten, dass sie kein Volk mehr seien und des Namens Israel nicht mehr gedacht werde!« (Ps 83,5)

Auch im Neuen Testament schreibt Paulus im Römerbrief eine Warnung an die Heiden unter der Gemeinde in Rom, dass sie sich nicht gegenüber den Juden überheben sollen. 

"So rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich." (Röm 11, 18).

Anscheinend ist diese Bibel auf Druck der BDS-Bewegung entstanden und steht unter dem Einfluss und der theologischen Nähe zur Palästinensichen Befreiungstheologie. Es ist eine Schande, dass die Dänische Bibelgeschaft diesem Druck nachgibt. Die Begründung lautet, dass das heutige Land Israel in keinerlei historischen Beziehung zum Volk der Israel der Bibel steht und darum die Referenzen zu Israel bewusst entfernt wurden. Denn eine Verwechslung mit dem modernen Staat Israel soll ausgeschlossen werden. Aber Bezüge zu anderen modernen Staaten, wie Ägypten oder Griechenland wurden beibehalten. Nichts ist ferner der Wahrheit. Das heutige Volk Israel sind die direkten Nachfahren des biblischen Israel, vor allem der Südstämme des Reiches. Dies ist eine historische Tatsache. Der moderne Staat Israel ist keine Staatsform des alten Israels, da man Demokratie noch nicht kannte, aber das Volk Israel ist frei seine Staatsform zu wählen, wie sie es auch schon unter König Saul getan haben. Diese Bibelausgabe ist nichts weiter, als ein politscher Versuch die Legitimität des Staates Israels zu dezimieren, indem man den Staat von seiner Geschichte trennen will, sodass Israel die Legitiätität für das Recht in ihrem Land zu wohnen entzogen werden kann. Das geschieht durch Einflussnahme auf den Glauben der Christen, indem man eine Bibelübersetzung verfälscht.

Man sieht daran, dass Antisemitismus in der evangelischen Kirche nach wie vor ein Problem ist und die Ersatztheologie diesen theologisch untermauert. Auch in Dänemark häufen sich Berichte über zunehmenden Antisemitismus. In Deutschland nimmt er bekanntlich stark zu, auch in der Kirche.

Hier tarnt sich der Antisemitismus als Israelkritik. An dieser Bibelausgabe zeigt sich, dass eigentlich Antisemtismus dahinter steckt, indem man versucht alle Bezüge zu Israel, dem Gott Israels und seinem Volk auszuradieren. Damit wird auch der Bund Gottes mit Israel geleugnet (vgl. Lk 2,32; Hebr 8,10) und Christen können so weder in den Bund Gottes mit Israel teilhaben, noch Israel unterstützen.

Für uns ist dies ein Grund mehr, die Arbeit im Bildungs- und Begegnungszentrum zu tun und auf unsere jüdische Wurzel des christlichen Glaubens hinzuweisen.

Der Psalm 83 endet übrigens folgendermaßen:

"Bedecke ihr Angesicht mit Schande, dass sie, HERR, nach deinem Namen fragen müssen. Schämen sollen sie sich und erschrecken für immer und zuschanden werden und umkommen. So werden sie erkennen, dass du allein der Höchste bist über die ganze Erde, HERR ist dein Name." (Ps 83,17-19). 

Wer versucht den Namen Israel auszulöschen, versucht den Namen Gottes auszulöschen. Damit wird die Kirche nur noch zu einer hohlen Echokammer der eigenen menschlichen Sünde.

Quellen: https://www.jta.org/quick-reads/danish-bible-society-defends-translation-that-omits-dozens-of-references-to-israel

https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/israel-dutzendfach-gestrichen/

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